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Keine Spielzeit in dieser Woche


FRAU STERN

R: Anatol Schuster

Ich liebe Frau Stern. Frau Stern ist alt und sie hat sehr vieles erleben müssen, sie hat gelitten und geliebt. Sie hält das Leid wie auch die Liebe im Herzen frisch, lässt sie aber beide nicht ihr Leben bestimmen. Denn Frau Stern bestimmt selber. Immer.
Sie will auch den Zeitpunkt ihres Todes bestimmen, das stellt sich als schwieriger heraus, als gedacht. Der Arzt darf und will ihr nicht helfen, andere vereiteln ihre Versuche unwissentlich. An eine Waffe ist nicht so leicht heranzukommen, wie sie es sich vorstellt.
Frau Stern lebt unabhängig in Berlin. Manchmal besucht sie der Friseur, ein wirklich schöner Mann, dem sie sehr zugetan ist. Mit ihrer Enkelin Elli, von Frau Stern liebevoll „Schätzchen” genannt, und deren Freunden erlebt sie wilde Party-Nächte. Sie pflegt eine sehr innige Beziehung zur Enkeltochter, hat aber Schwierigkeiten mit ihrer Tochter, die sich vor allem Sorgen macht. Manchmal ist Frau Stern schon ein bisschen verwirrt, dann muss sie einfach nach Hause.
Frau Stern lebt, wie es ihr gefällt. Sie raucht, denkt an Sex und informiert sich über berauschende Substanzen, erinnert sich an ihre Liebhaber und hat auf eine wunderschöne Weise ihren Frieden mit ihrer Geschichte als Jüdin in Deutschland gemacht. Man könnte und möchte gern vergessen, dass es Frau Stern nicht wirklich gibt.
Wenn ich groß bin, will ich so sein wie Frau Stern. (th)
Gleichzeitig mit großem Respekt, viel Wahrhaftigkeit und doch auch mit viel Humor von der letzten Entscheidung eines Menschen zu erzählen, ist nichts weniger als eine hohe Kunst. Anatol Schuster gelingt sie. Jeder Einstellung in FRAU STERN ist die Liebe für seine Protagonistin, grandios gespielt von Ahuva Sommerfeld, eingeschrieben, und auch der Mut und die Lust an Überzeichnung und Unterhaltung. Warmes, geistvolles Kino aus Deutschland ist FRAU STERN, zutiefst einfühlsam und absolut bereichernd.
Ahuva Sommerfeld wurde 1937 in Jerusalem in eine große orientalisch-jüdische Familie geboren. Sie emanzipierte sich durch Abendgymnasium und Militärdienst von ihren traditionellen Wurzeln und verließ später mit ihrem aus Deutschland stammenden Mann Israel, um mit ihm zunächst mit der gemeinsamen Tochter nach Ostafrika und später nach Deutschland zu ziehen. Hier lebte sie in einer Kleinstadt bei München. Nach dem frühen Tod ihres Mannes engagierte sie sich politisch und sozial. Sie arbeitete als Reiseleiterin sowie als Aufnahmeleiterin und Regieassistentin in verschiedenen Filmproduktionen. Mit 75 Jahren entschied sie sich für einen Neuanfang in Berlin, wo sie vor allem ihrer Enkelin wegen hinzog. Im Alter von 80 debütierte sie in der Hauptrolle von Anatol Schusters Spielfilm FRAU STERN, dessen Premiere sie beim Filmfestival Max Öphuls Preis im Januar 2019 noch erlebte. Kurz darauf starb sie im Alter von 81 Jahren. Gemeinsam mit Kara Schröder, die im Film als ihre Enkelin Elli auftritt, wurde sie als Beste Darstellerin beim Filmfestival achtung berlin mit dem new berlin film award ausgezeichnet.
(nach: polyfilm.at)

Deutschland 2019; Regie & Buch: Anatol Schuster; Kamera: Adrian Campean; Musik: Konstantin Schimanowski; DarstellerInnen: Ahuva Sommerfeld (Frau Stern), Kara Schröder (Elli, die Enkelin), Pit Bukowski (der Kletterer), Nirit Sommerfeld (die Tochter), Murat Seven (der schöne Friseur) u.a.; (DCP; 1:1,77; Farbe; 79min; deutsch-hebräisch-englische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).


  
Filmplakat