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MENANDROS & THAÏS

R: O. Cikán & A. Šilar

Hat es so einen Film schon einmal gegeben? Er besticht durch seine Grenzenlosigkeit: Eine Ästhetik, die Ritter, Beton, Orient, Wüste, Pira­ten und Panzer zusammenbringt ohne an Plausibilität zu verlieren. Der von Antonín Šilar und Ondřej Cikán ohne Fördermittel, dafür mit hunderten Amateuren realisierte tschechisch-österreichische Sanda­lenfilm lässt aus Gegenwartselementen und historischen Versatz­stü­cken (die Schundliteratur der griechischen Antike) eine hybride Ge­genwelt entstehen.
Menandros und Thaïs sind gerade frisch verheiratet, da endet ihre Hochzeit schon im Blutvergießen: Piraten entführen Thaïs und auf der verzweifelten Suche nach seiner Braut tauscht Menandros den Anzug gegen Rüstung und Schwert und wird zu einem rücksichtslosen Mon­s­­trum, während seinem Pferd plötzlich Flügel sprießen und eine Hexe schon eine neue Frau für den zurückgelassenen Bräutigam gefunden hat. König Xerxes hat es außerdem auf Menandros’ Männ­lichkeit abgesehen.
Kontraste bleiben bestimmend. Die Figuren deklamieren (aus dem Off oder nachsynchronisiert), die Bildebene ist bald bühnenhaft abstrakt, bald unwirklich wie ein Fiebertraum oder lebhaft wie ein hektisches Peplum. Erzählerisch wirkt der Film so, als würde er mit der schönen Entführten einer Fata Morgana hinterherlaufen, die immer weiter in die Ferne rückt. Seine Stärke liegt in der Lust an visuellen Ideen – ob einheitlich oder nicht, spielt nicht die wichtigste Rolle.
(nach: derstandard.at, czechlit.cz, moviepilot.de)

Tschechien/Österreich 2016; Regie: Ondřej Cikán & Antonín Šilar; Buch: Ondřej Cikán & Anatol Vitouch; Kamera: Šimon Dvořáček; DarstellerInnen: Jakub Gottwald, (Menandros), Jessyca R. Hauser (Thaïs), Ondřej Bauer (Eu­dromos), Violetta Zupančič (Chryseïs) u.a; (DCP; 1:2,35; Farbe; 129min; tsche­chisch-deutsch-finnische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTER­TITELN).


  
Filmplakat