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KÜCHENGESPRÄCHE MIT REBELLINNEN

R: Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lotte Podgornik, Lisbeth N. Trallori

Anfang der 1980er Jahre machte sich die „Projektgruppe Frauen im antifaschistischen Widerstand“ auf die Suche nach „Rebellinnen“, die sich gegen das NS-Regime gestellt haben. Was als eines der ersten Oral- und Video History Projekte Österreichs begann, mündete in einem Buch und dem Film KÜCHENGESPRÄCHE MIT REBELLINNEN, der mittlerweile zu einem Klassiker der „weiblichen“ Geschichtsschreibung und zu einem wichtigen zeitgeschichtlichen Dokument geworden ist. „Unser Wunsch war, die Rebellinnen in unserem Land zu entdecken, in dem Kadavergehorsam und Anpassung zu den gewünschten Tugenden gehören. [...] Auf der Suche nach dem bislang unbekannten weiblichen Widerstand haben wir Akten studiert und Berichte gelesen, sind in die entlegensten Dörfer gefahren, haben dort Erkundigungen nach den damals Aktiven eingezogen. Was war aus ihnen geworden? Haben sie überlebt?“ (Lisbeth N. Trallori, EMMA, 7. Juli 1985) Nach mehrjähriger, gründlicher Recherche hat das Regie-Kollektiv vier sehr unterschiedliche Frauen portraitiert, die sich an ihre persönliche Geschichte des Widerstands erinnern: Agnes Primocic aus Hallein war schon in den 1930er Jahren politisch engagiert und unterstützte während des Krieges Häftlinge bei der Flucht aus dem KZ. Die Kärntner Slowenin Johanna Sadolschek-Zahla organisierte in Kärnten die „antifaschistische Frauenfront“ und schloss sich den PartisanInnen an. Die Wienerin Rosl Grosmann-Breuer sabotierte in einem Kriegsbetrieb und wurde von der Gestapo verhaftet. Auch die älteste der Protagonistinnen – Anni Haider – erinnerte sich an ihre Haft in Wien und Aichach, an Folter und an die Solidarität unter den weiblichen Häftlingen.
Ohne belehrenden Kommentar aus dem Off setzen die Regisseurinnen voll und ganz auf die Kraft und die Präsenz der vier Protagonistinnen. „Die Poesie ihrer Erzählungen sollte durch keinen unnötigen Kunstkniff gebrochen werden. Wir wollten den Zuschauern eine Begegnung mit diesen Frauen ermöglichen, die keines Kommentars bedurfte. Eine Begegnung, die schon längst fällig war.“ (Lisbeth N. Trallori, EMMA, 7. Juli 1985)
„Die Geschichte der Frauen, in der sich individuelle und kollektive Biographie treffen, ist Geschichtsunterricht wie er so hautnah nie in einem Lesebuch vermittelt werden kann.“ (Margret Köhler, Medienerziehung 3/85)
Auszeichnung: Preis des sowjetischen Frauenverbandes – Filmfestival Moskau1985

Österreich 1984; Regie, Buch & Schnitt: Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lotte Podgornik, Lisbeth N. Trallori; Kamera & Ton: Gerda Lampalzer; Musik: Carla Bley; Mitwirkende: Rosl Grossmann-Breuer, Anni Haider, Agnes Primocic, Johanna Sadolschek-Zala (DCP – von DVD/Video übertragen; Farbe und S/W; 80 min.)


  
Filmplakat