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L’ENFANT ENDORMI

DAS SCHLAFENDE KIND

R: Yasmine Kassari

In einem abgelegenen Dorf im Nordosten Marokkos verabschiedet die junge Zeinab am Tag nach ihrer Hochzeit ihren Mann, der wie viele andere junge Männer des Dorfes nach Europa aufbricht, um dort Arbeit zu suchen. Halima, die beste Freundin von Zeinab, teilt das gleiche Schicksal. Beide jungen Frauen leben bei ihren Schwiegereltern und verbringen ihren Alltag mit harter Arbeit und dem Warten auf Neuigkeiten aus Übersee. Die erhofften Nachrichten kommen allerdings selten und die Möglichkeiten von Zeinab und Halima (beide Analphabetinnen und nicht im Besitz eines Telefons), mit ihren Ehemännern in Kontakt zu treten, sind sehr begrenzt. Als Zeinab feststellt, dass sie schwanger ist, beschließt sie auf Druck der Schwiegermutter – nach einer alten Tra­di­tion – das ungeborene Kind „schlafen zu legen”. Dadurch soll das Kind erst nach der Rückkehr des Vaters zur Welt kommen, so­­dass dieser bei der Ge­­burt anwesend sein kann, doch die Monate vergehen. Nach einer Phase des Wartens beginnen Zeinab und Halima mehr und mehr ihr Leben in die Hand zu nehmen, und insbesondere Halima rüttelt an den patriarchalen Strukturen.
Yasmine Kassari hat mit L’ENFANT ENDORMI einen alten, wichtigen Mythos aus dem Maghreb verfilmt. „Dieser Mythos interessierte mich in dem Sinn, als er Sinnträger sein konnte für das, was ich erzählen möchte. Was mich interessiert, ist weniger die soziologische oder anthropologische Lektüre des Mythos, als vielmehr sein metaphorischer Gehalt.” (Yasmine Kassari) Die Filmemacherin beschreibt in ihrem Spielfilmdebüt auf eindrückliche und berührende Weise das Thema Migration aus Sicht der zurückgebliebenen Frauen: ihr Warten und ihre Hoffnung, ihre unbeantworteten Fragen, ihre Sehnsüchte und Wünsche. Dabei porträtiert Yasmine Kassari „die zwei Frauen mit viel Geschick, ohne für die eine oder andere Partei zu ergreifen. Wegen dieser klugen moralischen Zurückhaltung und dank der subtilen Kameraarbeit von Giorgos Arvanitis [der u.a. auch für Theo Angelopoulos und Catherine Breillat arbeitete] ist ihr eine intime Milieustudie gelungen.” (Züritipp)
Mit Sensibilität und einem Gespür für Details fokussiert Yasmine Kassari den Alltag der Frauen im ländlichen Marokko. „Taktvoll, einfühlend und mit intimem Blick nähert sich die marokkanische Regisseurin einer Vielfalt weiblicher Temperamente und rüttelt die Frauen aus ihrem Schlaf.” (La Libre Culture)
L’ENFANT ENDORMI wurde bei 31 Filmfestivals mit insgesamt 41 Prei­sen ausgezeichnet und von der internationalen Kritik gelobt: „Ein schö­ner Film, der mehr über Immigration aussagt, als viele Worte.” (La Liberté) Yasmine Kassari gelingt „das perfekte Gleichgewicht von Realismus und Darstellung. Ihr Werk strahlt eine ungeheure Lebenskraft aus.” (Le Matin, Marokko)
– Auszeichnungen (Auswahl): Bester Film – Muestra de Cine Africano de Tarifa 2006; Mostra Internacional de Films de Dones Barcelona; International Women’s Film Festival Turin 2005; Tbilisi International Film Festival 2005; Silver Astor für die beste Regie – Festival International de Mar del Plata; Beste Nachwuchsregie – Festival international du cinéma de Las Palmas 2006; Grand Prix & Prix de la Meilleure Interpretation Feminine (Rachida Brakni) – Festival National du Film Marocain, Tanger 2005; Prix Special du Jury & Prix du Jury Fipresci – Festival International de Films de Fribourg

Marokko 2004; Regie & Drehbuch: Yasmine Kassari; Schnitt: Susana Rossberg; Musik: Armand Amar, Koussan Achod; Kamera: Giorgos Arvanitis; Ton: Henri Morelle et Madone; DarstellerInnen: Rachida Brakni (Halima), Mounia Osfour (Zeinab), Aïssa Abdessamie (Amziane), u.a.m. (35mm; Farbe; Dolby; 96 min; arabische, französische, berberische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).