BRIGHT STAR

R: Jane Campion

Die Annäherung zwischen dem kranken, mittellosen Dichter und der selbstbewussten, aber lyrisch kaum gebildeten Schneiderin stößt zunächst auf Ablehnung. Fannys Mutter (Kerry Fox, vor 20 Jahren in Campions AN ANGEL AT MY TABLE selbst die junge Protagonistin) hofft auf gesellschaftlichen Aufstieg oder zumindest materielle Absicherung und ist daher gegen die Beziehung. Keats‘ engster Vertrauter rät dem jungen Dichter, sein Talent nicht an eine Frau zu vergeuden. Als die Liebenden schließlich ihre Verlobung durchsetzen können, verschlimmert sich der Gesundheitszustand von John. Er reist nach Rom, wo sich die Tuberkulose zunächst bessert, doch für eine Heilung ist es längst zu spät.
„Mit BRIGHT STAR hat Jane Campion einen der schönsten Liebesfilme des Jahres geschaffen [...]“, einen Film, der das Publikum „auf eine so verblüffende poetische Art betört, dass er zugleich eine der aufregendsten Variationen dieses Genres darstellt, die man seit langem gesehen hat.“ (Pamela Jahn in: ray Filmmagazin) Jane Campion erzählt die tragische Geschichte aus der Perspektive von Fanny. Sie wollte vor allem den Einfluss dieser phantasievollen und unkonventionellen Frau auf das dichterische Schaffen von Keats zeigen. Abbie Cornish spielt „die junge Schneiderin Fanny mit so viel Unabhängigkeit und Eigensinn, dass man wenig mehr als ihre Frisur ändern müsste, um sie als Modedesignerin [...] auftreten zu lassen. Und Ben Whishaw gibt den Poeten Keats quasi als Essenz des Rockmusikertums – ungeschliffen, aber zartfühlend [...].“ (Barbara Schweizerhof: Die Welt)
Es gibt kaum eine Kategorie, für die Jane Campions BRIGHT STAR nicht ausgezeichnet oder zumindest nominiert worden ist. Bereits 1993 erhielt sie als erste und bis dato einzige Frau die Goldene Palme in Cannes für THE PIANO sowie eine Oscar-Nominierung. BRIGHT STAR war für den Oscar in der Kategorie Bestes Kostümdesign nominiert und Campion war für eine Nominierung als Beste Regisseurin im Gespräch. Sie wäre 2010 somit gegen Kathryn Bigelow angetreten. Die Filmkritikerin Susan Vahabzadeh fand in der Süddeutschen Zeitung anlässlich der Oscar-Vergabe an Bigelow deutliche Worte: „Was nicht männlich ist, ist sekundär. Und wie Campion [...] ihre Hauptdarstellerin Abbie Cornish inszeniert als Fanny, in ihren selbstentworfenen Kleiderkunstwerken, wie sie erzählt von der Liebe eines fürs 19. Jahrhundert viel zu toughen Mädchens zu einem lebensunfähigen Schwächling – das ist, mit Verlaub, kunstvoller und origineller als alles, was The Hurt Locker zu bieten hat. Aber es ist latent feministisch und irgendwie eine Sicht auf die Welt aus der Frauenperspektive.“ (S. Vahabzadeh in: SZ)
Auszeichnungen (Auswahl): Australien Film Institute Awards 2010: Best Cinematography, Best Costume Design, Best Production Design; National Society of Film Critic Awards 2010, USA: Best Supporting Actor; British Independent Film Award 2009: Best Technical Achievement;

Großbritannien/Australien/Frankreich 2009; Regie & Drehbuch: Jane Campion (nach Andrew Motions Biografie „Keats”); Kamera: Greig Fraser; Musik: Mark Bradshaw; DarstellerInnen: Abbie Cornish (Fanny Brawne), Ben Whishaw (John Keats), Kerry Fox (Mrs. Brawne), Paul Schneider (Mr. Brown), u.a.m. (35mm; Farbe; 1:1,85; Dolby Digital; 119 min; englische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). Jane Campion wurde am 30. 4. 1954 in Wellington, Neuseeland, geboren. Sie studierte Malerei und Film in Wellington, London und Sydney. Schon ihr erster Kurzfilm AN EXERCISE IN DISCIPLINE – PEEL wurde bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. 1990 verfilmte sie die Autobiographie der neuseeländischen Schriftstellerin Janet Frame: AN ANGEL AT MY TABLE. Weltberühmt und mehrfach ausgezeichnet wurde sie mit THE PIANO (1993). Weitere Filme (Auswahl): SWEETIE (1989), THE PORTRAIT OF A LADY (1996), HOLY SMOKE (1999), IN THE CUT (2003), THE WATER DIARY (2006)