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PEPPERMINT FRIEDEN

R: Marianne S.W. Rosenbaum

Kriegsende, 1945: Die fünfjährige Marianne flüchtet mit ihrer Mutter aus dem Sudetenland in ein Dorf an der bayrisch-tschechischen Grenze. Ihr Vater wird aus der Gefangenschaft entlassen und beginnt im Dorf als Lehrer zu arbeiten. Der Friede ist für die Kinder ein amerikanischer GI und verteilt Kaugummis, riecht nach Pfefferminz und klingt wie neuartige Musik. Nach Bombennächten, Flucht und Hunger kehrt langsam so etwas wie Normalität zurück. Im Mikrokosmos Dorf richten sich die Erwachsenen wieder ein, arbeiten an der Verdrängung des verlorenen Krieges und sprechen schon vom nächsten. Die Kinder werden mit ihren Wünschen und Enttäuschungen, Fragen und Ängsten sich selbst überlassen. „Wo war Gott im Krieg“, will Marianne vom Pfarrer wissen. Er weiß es nicht, aber in der Schule wettert er gegen Unkeuschheit und Lust, gegen Kaugummis und den Kommunismus.
Marianne Rosenbaums (1940-1999) Filmdebüt PEPPERMINT FRIEDEN ist autobiographisch motiviert. Die Regisseurin wurde 1940 in Leitermitz in der Nähe von Theresienstadt geboren. Ihre Familie zog zunächst nach Dresden und 1945 nach Bayern. „Nach der Geburt meiner Tochter Nurith […] habe ich mich an sehr viel erinnert“ (M. Rosenbaum). „Erinnerungsbilder und Träume von Zerstörung, Menschenverachtung, Friedenssehnsucht und beginnendem Kalten Krieg vereinigen sich zu einer erstaunlich subjektiven, oft surrealistischen Filmkomposition.“ (epd Film)
PEPPERMINT FRIEDEN wurde 1983 in Cannes uraufgeführt. Nicht zuletzt durch die Besetzung – die beeindruckende Saskia Tyroller als Marianne, Peter Fonda als Mr. Frieden und Konstantin Wecker, der auch die Filmmusik schrieb, in einer Nebenrolle – konnte Rosenbaums Debüt bei Kritik und Publikum punkten und erhielte zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Max Ophüls-Preis mit folgender Begründung: „Der Film zeigt in großer künstlerischer und formaler Qualität die Nachkriegserlebnisse aus der Sicht eines Kindes. ‚Peppermint Frieden’ ist nicht nur Ausdruck einer Friedenssehnsucht im weitesten Sinn, sondern auch in künstlerisch konsequent bewältigter Manier ein Sinnbild für kindliche Erlebniskraft.“ (Jurybegründung Max Ophüls-Preis 1984)
Ungefähr 25 Jahre nach seiner Fertigstellung bietet PEPPERMINT FRIEDEN noch immer eine berührende Sicht auf die Zeitgeschichte und die Geschlechterverhältnisse – wahrgenommen mit den Augen eines Kindes: „Der Film ist nicht nur für jene, die in ähnlichem Milieu großgeworden sind, nachvollziehbar. Er legt Erinnerungen frei, erklärt Zusammenhänge, macht politische Entwicklungen sinnlich erfahrbar.“ (Gudrun Lukasz-Aden, Christel Strobel in: Der Frauenfilm)

BRD 1982/83; Regie: Marianne S. W. Rosenbaum; Drehbuch: Alexander Opp; Kamera: Alfred Tichawsky; Schnitt: Gérard Samaan; Musik: Konstantin Wecker; DarstellerInnen: Saskia Tyroller (Marianne), Gesine Strempel (Mutter), Hans-Peter Korff (Vater), Elisabeth Neumann-Viertel (Großmutter), Peter Fonda (Mr. Frieden), Cleo Kretschmer (Nilla Grünapfel), Siegfried Zimmerschied (Kriegsblinder Arira), Konstantin Wecker (Schreiner Lustig) u.a.; (35mm; s/w und Farbe; 1:1,66; 112 min; deutschsprachige ORIGINALFASSUNG). Auszeichnungen: Max Ophüls Preis 1984; Film des Monats September 1983 – epd Film; Fipresci – Internationaler Kritikerpreis (Karlovy Vary 1983)