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OSTATNI ETAP

DIE LETZTE ETAPPE

R: Wanda Jakubowska

DIE LETZTE ETAPPE behandelt das Schicksal von Frauen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Im Zentrum steht Marta Weiss, Jüdin und Kommunistin aus Polen, die zunächst der Ermordung im KZ entkommt, da sie als Übersetzerin gebraucht wird. Sie schließt sich einer Widerstandsgruppe an, zu der auch andere Frauen gehören: die russische Ärztin Evgenija, die unter dem Verdacht des Widerstandes gefoltert und ermordet wird, die deutsche Kommunistin Anna sowie Helena, die eine französische Gefangene im Krankenlager versteckt. Kurz vor der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee wird Marta nach einem Fluchtversuch gefasst und zu Tode verurteilt.
Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Wanda Jakubowska und Co-Autorin Gerda Schneider überlebten die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Ravensbrück. Jakubowska fasste noch während ihrer Internierung den Entschluss, einen Film über die erlebten Gräuel zu drehen. „Dem Wunsch, einen Film über das Lager in Auschwitz zu machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, dass ich überhaupt noch lebe. Er behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben, und erlaubte mir später, alles, was mich damals umgab, als eine besondere Art von Dokumentation zu behandeln.“ (Wanda Jakubowska). DIE LETZTE ETAPPE wurde 1947/1948 an Originalschauplätzen in Auschwitz-Birkenau realisiert. KünsterlInnen des Polnischen Theaters wirkten ebenso mit wie LaiendarstellerInnen: EinwohnerInnen von Oświęcim (Auschwitz) und ehemalige KZ-Gefangene, die sowohl weibliche Häftlinge als auch ihre deutschen PeinigerInnen darstellten. (vgl. www.dhm.de, Deutsches Historisches Museum) DIE LETZTE ETAPPE zeigt die Nazi-Verbrechen, beschreibt die stattgefundene Gewalt und Ängste ebenso wie Anpassung und Kollaboration, berichtet aber auch von der Solidarität und dem Überlebenswillen der internierten Frauen.
DIE LETZTE ETAPPE ist einer der ersten Filme, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzen und diente nachfolgenden Filmen als Vorlage. Für den Filmtheoretiker Béla Balázs war Jakubowskas Film bereits 1948 genrebildend: „Tragödie und Komödie, Drama und Roman seien nicht mehr in der Lage, den Schrecken der Todeslager Ausdruck zu verleihen. So hätte der ,Auschwitz-Film’ ein neues Genre begründet, das Doku-Drama, in dem die Ereignisse gleichsam sich selbst repräsentieren würden.“: (Hanno Loewy: www.uni-essen.de) „Zahlreiche Spielfilme, die seit den späten vierziger Jahren entstanden und versuchen, die Wirklichkeit des NS-Lagersystems darzustellen, beziehen sich auf DIE LETZTE ETAPPE. Doch hat bis heute kein Film jene Unmittelbarkeit, jene Nähe zum Geschehen und zum Schicksal der weiblichen Häftlinge darstellen können wie Wanda Jakubowskas Film.“ (www.filmarchiv.at) Jakubowskas filmische Herangehensweise – sie baute in ihren Spielfilm dokumentarisches Bildmaterial der Roten Armee ein – lässt ihren Spielfilm fast wie ein Zeitdokument wirken. „Die Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm führt zu ästhetischen Brüchen; viele der von Wanda Jakubowska gefundenen Filmbilder aber wirken bis heute nach: ‚Der Vernichtungsprozess wird lediglich durch das Auflodern von Flammen und qualmende Krematoriumsschornsteine verbildlicht. Diese Bilder waren es, die fast alle späteren Werke der Holocaust-Filmgeschichte beeinflussten und als Fundus kinematographischer Zitation dienten.’“ (Stefanie Peter, FAZ)
OSTATNI ETAP wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt große Aufmerksamkeit durch die internationale Presse. Die jüdische Emigrantenzeitung „Aufbau“ lobte im Jahre 1949 OSTATNI ETAP als „ein Hohelied auf den Mut und das Duldnertum der Insassen von Auschwitz“ (vgl. www.dhm.de).
Auszeichnungen: Bester Film – Filmfestival Karlovy Vary 1948; Nominierung für den BAFTA Award 1950 (British Academy)

Polen 1948; Regie: Wanda Jakubowska; Buch: Wanda Jakuboswska, Gerda Schneider; Regieassistenz: Jerzy Kawalerowicz; Kamera: Borys Monastyrski; Musik: Roman Palester; Mitwirkende: Barbara Drapińska (Marta), Antonina Górecka (Anna), Tatjana Górecka (Evgenija), Wanda Bartówna (Helena), Zofia Mrozowska (Zigeunerin, Häftling), Aleksandra Śląska (Oberaufseherin im Frauenblock), Edward Dziewonski (Lagerarzt) u.a.m. (35mm; 1:1,37; s/w; mono; 107 min; polnische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
Wanda Jakubowska: Geboren am 10. Oktober 1907 in Warschau, Studium der Kunstgeschichte und Philosophie, seit Anfang der 1930er-Jahre in der Filmbranche tätig. Ihre ersten Regiearbeiten waren Dokumentarfilme. Als Polen 1939 von den Nazis überfallen wird, arbeitet sie gerade an ihrem ersten Spielfilm. Wanda Jakubowska engagierte sich im polnischen Untergrund und wurde 1942 von den Nazis verhaftet. Bis zur Evakuierung des KZ Auschwitz 1945 war sie dort interniert und wurde dann ins KZ Ravensbrück überführt. Nach der Befreiung hielt sie sich zunächst in Berlin auf und ging dann zurück nach Polen. 1946 gehörte sie zu den ersten polnischen FilmemacherInnen, die wieder begannen zu arbeiten. 1948 entstand ihr berühmtester Film: DIE LETZTE ETAPPE. Die Beschäftigung mit dem Faschismus stand auch im weiteren Schaffen der Regisseurin oft im Mittelpunkt. Als Filmemacherin wie als Hochschuldozentin zählt sie zu den prägenden Figuren des realistischen polnischen Nachkriegskinos. Wanda Jakubowska starb am 24. Februar 1998 in Warschau. (vgl. www.wikipedia.de) Filmographie (Auswahl): 1932 MORZE (1932, Kurzfilm), OSTATNI ETAP / DIE LETZTE ETAPPE (1948 – ihr Spielfilmdebüt), ATLANTISCHE ERZÄHLUNG / OPOWIEŚĆ ATLANTYCKA (1955), BEGEGNUNG IM ZWIELICHT / SPOTKANIA W MROKU (1960), EINE GESCHICHTE VON HEUTE / HISTORIA WSPÓŁCZESNA (1960), DAS ENDE UNSERER WELT / KONIEC NASZEGO ŚWIATA (1964), DIE EINLADUNG / ZAPROSZENIE (1986)