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RUBLJOVKA - STRASSE ZUR GLÜCKSELIGKEIT

R: Irene Langemann

Die Rubljovo-Uspenskoe Chaussee, im russischen Volksmund ver­nied­lichend „Rubljovka” genannt, ist die am besten bewachte Straße Russlands. Ihre Lage – vom Zentrum Moskaus westwärts, direkt in das Idyll der Provinz – zog schon immer die russische Elite an: Waren es vor 100 Jahren Adelige, später die kommunistische Politprominenz, so sind es heute kapitalmächtige „neue Russen”, die dort – gut ab­­ge­­­­schottet von der „einheimischen” Be­­völkerung, die sich selbst das Leben in einfachen Hüt­­ten kaum mehr finanzieren kann – ihre überdimensiona­­len Datschen errichten. Auch der russische Prä­­si­­dent Vla­di­mir V. Putin hat hier ein Anwesen. Nicht erst unter ihm ist die Rubljovka zum Synonym für gesellschaftlichen Aufschwung, Reich­tum und eine dekadente Lebensart geworden.
Irene Langemann: „Im August 2004 las ich in der russischen Zei­tung Argumenty i fakty ei­nen Bericht über die Rubl­jovka, wo Millionäre sich die Klinke in die Hand geben und der Wettstreit um Glamour, millionenschwere Immobilien und Luxuskaros­sen bizarre Aus­maße angenommen hat. In meiner Erinnerung aus den 1980er Jahren war die Rubljovka eine idyllische Landstraße. (...) Schon meine erste Recherchereise im Win­­ter 2005 ergab, dass die Glitzerwelt der Neureichen sich hinter Mauern, Panzerglaslimousinen und streng be­­wachten, abgeriegelten Sied­­lungen verbirgt. Die zweispurige schma­­­le Straße hat sich in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt.”
Trotzdem ist es Lan­ge­­­­­mann gelungen, eine Dreh­­genehmigung zu erhalten und ein ungeschminktes, un­­gekünsteltes Portrait der „Straße zur Glückseligkeit“ zu realisieren, in dem die Armen und Reichen, Män­­ner und Frauen, VerliererInnen und GewinnerInnen gleichermaßen zu Wort kommen. Ständige Behinderungen seitens der russischen Be­­hörden, die mehrfache Abbrüche der Dreharbeiten, blitzschnelle Entscheidungen und Improvisationen nach sich zogen, konnten nicht verhindern, dass Langemann einen fundierten Einblick in die Vertikale der russischen Macht gibt.
„Spuren der Vergangenheit und groteske Auswüchse des russischen Kapitalismus bilden hier einen bizarren Mikrokosmos, den es sonst nirgendwo im Riesenreich gibt.“ (Viennale 2007)
Die ausdrucksstarke Bildsprache – die Kamera fängt die Stimmung eines Landes mit seinen ökonomischen und sozialen Hierarchien und Gegensätzen sensibel ein – wird durch die Musik verstärkt. Die Verbindung zwischen der von Langemanns Sohn komponierten Musik mit Straßengeräuschen ergibt eine Art Tonchoreographie, die als selbständiges künstlerisches Element das Dämonische, das von der „Straße zur Glückseligkeit“ ausgeht, verstärkt.

Irene Langemann: Geboren in Issilkul, Gebiet Omsk/UdSSR. Studium der Schauspielkunst und Germanistik an der Tschepkin-Theaterakademie in Moskau. Seit 1980 Schauspielerin, Regisseurin und Theaterautorin in Moskau, ab 1983 Moderatorin beim Russischen Fernsehen. 1990 Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland. Von 1990 bis 1996 Redakteurin bei Deutsche Welle TV Köln, seitdem freie Filmemacherin.
Filme (Auswahl): NIRGENDWO VERWURZELT - AUSSIEDLERSCHICKSALE (1993, KF), RUSSLANDS WUNDERKINDER (2000), DIE MARTINS-PASSION (2003), IM SIBIRIEN POLENS (2005).

Deutschland 2007; Regie & Buch: Irene Langemann; Kamera: Maxim Taras­­jugin; Schnitt: Kawe Vakil; Musik: Michael Langemann; Mitwirkende: Ma­­rus­­ja Agiewa (Anwohnerin), Jana Bullock (Geschäftsfrau), Ljubov Jermilina (Anwohnerin), Roma Romanow (Schüler), Mstislaw Rostropowitsch (Cellist), Nikas Safronov (Maler), Oleg Stupenkow (Immobilienmanager), Helen Yar­­mak (Pelzdesignerin) u.a.; (35mm – von Video übertragen; 1:1,85; Farbe; 94min; russische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).