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MÄDCHEN IN UNIFORM (1931)

R: Leontine Sagan

Die vierzehnjährige Offizierstochter Manuela von Meinhardis wird nach dem Tod beider Eltern auf ein Stift für verarmte höhere Töchter nach Potsdam geschickt. Wie schon der Titel suggeriert – Mädchen in Uniform – kommt das Internatsleben einer Internierung gleich: „Zucht und Ordnung“ lautet die Devise; Uniformierung und Militarisierung sind die erklärten Unterrichtsziele für Soldatentöchter, die unter preußischem Drill zu künftigen Soldatenmüttern herangebildet werden sollen. Manuela kann sich den herrschenden Regeln nur schwer anpassen. Die einzige Person, die dem sensiblen, fantasievoll veranlagten Mädchen Verständnis und Wärme entgegenbringt, ist Fräulein von Bernburg, in die sich Manuela mit jugendlicher Leidenschaft verlieben wird. Die berührende und tragische Entwicklung dieser verbotenen Liebe ist (lesbische) Filmgeschichte.
Leontine Sagans Verfilmung basiert auf dem Bühnenstück „Ritter Nérestan“ bzw. „Gestern und Heute“ von Christa Winsloe und war nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, den USA, Japan und Mexiko sehr erfolgreich, was ein japanisches und sogar ein mexikanisches Remake erklärt: ONNA NO SONO (Der Garten der Frauen) 1954 von Keisuke Kinoshita und MUCHACHAS DE UNIFORME 1951 von Alfredo B. Crevenna. In der Weimarer Republik mit Jugendverbot belegt, wurde Sagans MÄDCHEN IN UNIFORM 1934 von den Nazis innerhalb des Dritten Reiches verboten. 1958 nimmt der Regisseur Géza von Radványi Winsloes Vorlage in seiner gleichnamigen Neuverfilmung mit Starbesetzung wieder auf: Ein Vergleich macht nicht nur Veränderungen im Frauenbild sichtbar, sondern verdeutlicht auch die in den 50er-Jahren vorherrschende Rückkehr zur Prüderie.
Sagans MÄDCHEN IN UNIFORM stellt aufgrund der ausschließlich weiblichen Schauspielbesetzung und der Zusammenarbeit von zwei Frauen in den Schlüsselfunktionen Regie und Drehbuch eine (historische) Besonderheit dar. „Ein guter deutscher Film!“ titelt der Filmwissenschaftler, Soziologe und Journalist Siegfried Kracauer 1931 in seiner Rezension über Sagans MÄDCHEN IN UNIFORM: „Inmitten des Wustes der Militärfilme und der ganzen, rein auf Zerstreuung abgestellten Produktion, mit der die Konsumenten von der Filmindustrie mit oder gegen ihren Willen beliefert werden, tauchen endlich vereinzelte gute deutsche Filme auf.“ [...] Kracauer lobt Sagans handwerklich sichere Regieleistung, ihr Wissen um Ausdrucksformen und ihr feines Stilempfinden. „Während der Routinier ein solches Sujet bestimmt zur groben Karikatur verzerrt hätte, überschreitet Frau Sagan nirgends die von der Wirklichkeit gezogenen Grenzen. [...] Die gesamte Darstellung wird durch eine geschickte Photographie unterstützt, die jede Nuance herausholt, ohne sie unnötig zu unterstreichen.“ (Krakauer in: „Kleine Schriften zum Film 1928-1931“).
Sagan erhielt für ihren Film zwei internationale Auszeichnungen: Filmfestival Venedig – Publikumspreis für den technisch besten Film (1932), Kinema Junpo Award (Tokio) für den besten fremdsprachigen Film (1934)

Deutschland 1931; Regie: Leontine Sagan; Drehbuch: Christa Winsloe und Friedrich Dammann nach dem Schauspiel von Christa Winsloe; Kamera: Reimar Kuntze, Franz Weihmayr; Musik: Hansom Milde-Meißner; Darstellerinnen: Hertha Thiele (Manuela von Meinhardis), Dorothea Wieck (Fräulein von Bernburg), Emilia Unda (Oberin), Erika Mann (Fräulein von Attems) u. a. (35mm; 1:1,37; Schwarzweiß; Mono; 88 min; deutsche ORIGINALFASSUNG).