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Keine Spielzeit in dieser Woche


DER LANGE SOMMER DER THEORIE

R: Irene von Alberti

Berlin 2016. Für die drei Künstlerinnen Nola, Katja und Martina ist es der letzte Sommer in der großzügigen, loftartigen Wohngemeinschaft im Niemandsland hinter dem neuen Hauptbahnhof. Bald schon werden die letzten Baulücken geschlossen und das Nischendasein hat ein Ablaufdatum, denn hier wird ein neuer Stadtteil entstehen. Ein allgemeines, zunächst diffuses Unbehagen über die ökonomische, soziale und politische Situation – Gentrifizierung, Kommerzialisierung, das Verschwinden des öffentlichen Raums, das Erstarken der Parteien am rechten Rand – wächst zur Gewissheit: Wir müssen etwas tun! Aber was?
Irene von Alberti stellt in ihrem experimentellen Spielfilm die Frage nach einer neuen Idee oder Utopie für das Politische auf mehreren Ebenen: Auf der fiktionalen Ebene suchen die Filmregisseurin Nola, die Schauspielerin Martina und die Fotografin und Punkmusikerin Katja nach Handlungsspielräumen jenseits der Anbiederung an den Markt. Sie reflektieren Erlebtes, diskutieren Gelesenes und stellen Vieles in Frage, wobei Nola die allermeisten Fragen stellt, denn sie dreht gerade einen Film, der eine Art Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Umbruchszeit liefern soll. Nola interviewt den Historiker und Autor Philipp Felsch, von dessen Diskursgeschichte über den Merveverlag der Filmtitel inspiriert ist. Sie befragt die Philosophin Rahel Jaeggi, die Feministinnen Lilly Lent & Andrea Trumann, den Dramaturgen Carl Hegemann, die Soziologin Jutta Allmendinger und den Philosophen und Medientheoretiker Boris Groys. Diese Interviewsequenzen bilden als Film im Film eine dokumentarische Ebene, wobei alle Interviews in voller Länge zusätzlich im Internet zu finden sind.
„Ein Film, wie ihn Godard in den 60er Jahren gedreht hätte. Interesse und exquisiter Geschmack im Musikalischen, keine Angst vor Theorie und Lust am Spiel.“ (Rüdiger Suchsland in: Rolling Stone) Die Regisseurin setzt auf eine theaterhafte Künstlichkeit, die sowohl die fiktionale Handlung als auch die dokumentarischen Interviews umfasst und stellt fundamentale Fragen (auch die Kunst, den Feminismus, das Sein betreffend) humorvoll und mit Augenzwinkern. Durch saloppes Fingerschnippen werden Männer in Stehlampen verwandelt und ganz nebenbei wird die Lust am Denken und Diskutieren stimuliert. Somit ist DER LANGE SOMMER DER THEORIE „weniger trocken, sondern vielmehr höchstvergnüglich und leicht, undogmatisch und offen.“ (Wolfgang Nierlin in: fimgazette.de)
„Eine flirrende Wort- und Sinnsuche, Utopie einer anderen Existenz, [...] ohne Angst, dass die Figuren zu künstlich sein könnten. Gäbe es einen Kult-Comic über die WGs im Stil der 68er, DER LANGE SOMMER DER THEORIE wäre seine Verfilmung.“ (Dunja Bialas, artechock)

Deutschland 2017; Regie & Drehbuch: Irene von Alberti; Kamera: Jenny Lou Ziegel; Schnitt: Silke Botsch: Musik: Toni Kater; Darsteller_innen: Julia Zange (Nola), Katja Weilandt (Katja), Martina Schöne-Radunski (Martina), u.a.m. Timo Jacobs (Timo), Mario Mentrup (Mario), Lukas Steltner (Lukas), Paula Knüpling (Paula), Tina Pfurr (Annika), Interviewpartner_innen: Philipp Felsch, Rahel Jaeggi, Lilly Lent, Andrea Trumann, Carl Hegemann, Jutta Allmendinger, Boris Groys (DCP; 16:9; Farbe; Dolby; 84 min; deutsche ORIGINALFASSUNG).


  
Filmplakat