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VAPAA DUUNARI VILLE-KALLE

R: Visa Mäkinen

Pori ist für alles Wichtige im Leben bedeutend: unorthodoxe Populärmusik, Minigolf und avantgardistische Komödien, was mal so aussieht wie Samurai Rauni (2016; Eröffnungsfilm DIAMETRALE 2021) des unvergleichlichen Sänger-Musiker und Allround-Exzentriker Mika Rättö, und mal wie Vapaa duunari Ville-Kalle (1984) des volkstümlichen Surrealisten Visa Mäkinen.
Ville-Kalle, der freie Lohnsklave übersetzt sich letzteres Werk, das seinen Weg von Pori (Drehort) via Tampere (einzige Stadt, wo er regulär im Kino zu sehen war; 551 Zuschauer*innen) nun nach Innsbruck geschafft hat – souverän Finnlands Kapitale Helsinki ignorierend, die für ein solches Meisterwerk genuin proletarischer Kunst bislang nicht reif war. Mehr noch als die meisten anderen Werke Mäkinens lebt Vapaa duunari Ville-Kalle von einer gelösten Schalkhaftigkeit – hier geht alles, hier ist kein Witz zu doof, keine Wendung in der Geschichte zu steil, wenn nicht gleich total abstrus, aber auch kein Gefühl dem auteur fremd: Wenn‘s sentimental wird, dann auch richtig. Mäkinen ist ein Anarchist des Herzens, ein Primitiver des Kinos, der sich wie alle auteurs diesen Schlags an den Genrerändern am heimischsten fühlt.
Ville-Kalle mußte mit seiner Maus Väyrynen aus dem heimischen Kuhkaff fliehen, weil er als Ökoaktivist vielleicht doch einen Bauernhof zu viel in die Luft gejagt hat. So landet er in der gefahrenvollen Metropole Pori, wo er sehr viele Jobs bar jeglichen Talents ausübt (ua. BH-Verkäufer, Bäcker, Masseur, Fotoentwickler, Selbstverteidigungskursanbieter und Zeitschriftenverkäufer), sein Herz verliert, Erfolge als Bettler feiert, und am Ende doch seine Herzensdame gewinnt.
Noch nie wurde ein Film Visa Mäkinens jenseits seiner Heimat gezeigt. Die Vorführung von Vapaa duunari Ville-Kalle wird ein großer Tag sein für die Kulturnation Finnland – zumindest jenem Teil, die ihren Exzentrikern liebevoll zugewandt ist.
(Olaf Möller)

Finnland 1984; Regie: Visa Mäkinen; (35mm; Farbe; 90min; finnische ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN).


  
Filmplakat