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AUFZEICHNUNGEN AUS DER UNTERWELT

R: Tizza Covi & Rainer Frimmel

Geschichte schreiben die, die am längeren Hebel sitzen. Im Fall von Alois Schmutzer und Kurt Girk waren es die österreichischen Behörden und die Wiener Polizei, die die beiden und zahlreiche ihrer Weggefährten in den 1960er und 1970er Jahren als gefährliche Kriminelle abstempelten. Inmitten dieses Sumpfs aus Nachkriegsgewalt, Alt-Nazis und Perspektivenlosigkeit wurden die beiden in einem Schauprozess zu jeweils zehn und acht Jahren Haft für einen Postüberfall verurteilt, den beide nicht begangen hatten.
In Settings, die aus der Zeit gefallen wirken, erzählen die beiden von ihrer Jugend, als Geschwister im Krieg am Hunger starben oder jüdische Vermieter sich im Dachboden aufhingen, um nicht von der Gestapo deportiert zu werden und die Polizei gegen illegale Glückspielbetreiber mit mehr Härte vorging als gegen so manchen Alt-Nazi.
Konzentrierte, anekdotenreiche Episoden, angereichert mit kurzen Blicken ins ORF-Archiv und ins private Fotoalbum, wie zum Beweis, dass es sich nicht um Räuberpistolen handelt, ergeben das Bild einer untergegangenen Epoche, in der Männer wie Loisl und Kurtl Stadtgeschichte schrieben. Und zwar die inoffizielle Version, in der es um Schießereien, Spielschulden und unglaubliche Zustände im Knast und im Gerichtssaal geht. Oral History, die weder romantisch verklärt noch moralisch urteilt, und Respekt vor der Furchtlosigkeit der beiden beeindruckenden Protagonisten erzeugt. Mit seiner Beschreibung Wiens in den 1960er-Jahren füllt der Film inhaltlich eine Lücke, formal zeigt er, was zeitgenössisches Kino kann.
Dieser spannende Rückblick auf die Gangsterszene Wiens schafft es, uns auf die Seite eines Verurteilten zu ziehen, dessen Unschuld dem Film sehr am Herzen liegt. Die in schwarzweiß gehaltenen Interviews in Kaffeehäusern (vor dem Nichtrauchergesetz) liefern eine vertraute und typisch österreichische Ästhetik und das Wienerlied vertont den Schmerz der tragischen Figuren der Unterwelt stimmig.
(nach: kulturwoche.at; berlinale.de)
Das italienisch-österreichische Regieduo bewegt sich mit seinen feinfühligen Werken oft an der Schnittstelle von Doku und Fiktion. Dabei schaffen sie es, aus den Mitwirkenden faszinierende, weil sehr persönliche, Performances herauszukitzeln. So erhielt zum Beispiel der Zirkusartist Walter Saabel für seine Rolle in DER GLANZ DES TAGES den Silbernen Leoparden für den besten Schauspieler am Festival von Locarno.
Wir finden, dass Covi/Frimmel-Filme immer kleine Perlen sind.

Österreich 2020; Regie: Tizza Covi & Rainer Frimmel; Buch: Rainer Frimmel; Kamera: Rainer Frimmel; Schnitt: Tizza Covi; Musik: Kurt Girk; Mitwirkende: Alois Schmutzer, Kurt Girk u.a.; (DCP; 1:1,66; Farbe & Schwarzweiß; 115min).


  
Filmplakat