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Bild: Nina Paley

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SEDER-MASOCHISM

R: Nina Paley

Nach dem erstem Langfilm SITA SINGS THE BLUES (kinovi[sie]on 2009) hat sich Nina Paley mit ihrem jüngsten Werk SEDER-MASOCHISM erneut einen mythisch-religiösen Stoff angeeignet: rund um das (jüdische) Osterfest werden der Exodus aus Ägypten und die Verdrängung weiblicher Gottheiten aus dem kollektiven Bewusstsein überraschend anders veranschaulicht.

An der filmischen Umsetzung biblischer Stoffe versuchten sich schon einige Regisseur*innen. Das Ergebnis ist meist ein epischer Monumentalfilm mit Massenszenen, Staraufgebot, eindeutiger Botschaft, getränkt in Pathos. Wenn die Cartoonistin, Künstlerin, Aktivistin und Regisseurin Nina Paley das Alte Testament als Vorlage für einen abendfüllenden Animationsfilm verwendet, braucht sie „nur“ 20.000 US $ Budget und sechseinhalb Jahre Zeit, um durch Kreativität, Musikalität, Witz und Humor die patriarchale Religionsgeschichte zu erschüttern.
Moses, Aharon (Aaron), der Todesengel, Jesus und Nina Paleys eigener Vater als „Our Father“ erzählen die Geschichte des Exodus neu: Nach einem polytheistischen Vorspiel, besinnt sich Moses auf einen einzigen Gott, der ihn und sein Volk singend und tanzend aus Ägypten ins Gelobte Land führen will, während animierte Göttinnen zusehends an Verehrung einbüßen. Nina Paley lässt ihre biblischen Figuren durch Musik sprechen und durch Tanz verkörpern: Mit Liedern bulgarischer Frauenchöre, Gospelsongs sowie alt bekannten Pop-, Rock- und Jazznummern – von den Pointer Sisters, Louis Armstrong, The Beatles, über Dalida & Alain Delon bis zu Gloria Gaynor. Symbole der „Großen Mutter“, darunter auch die Venus von Willendorf in einer bedeutenden Nebenrolle, tanzen an der Seite Gottes, der nicht immer allmächtig war. Paleys feministische Religionskritik an Judentum, Christentum und Islam ist pointiert und durchaus ernst, aber zugleich voll Humor, Swing und Groove.
In diesem ambitionierten "one-woman project“ führte Nina Paley nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Buch, animierte den gesamten Film und sprach außerdem eine tragende Rolle: die Opferziege, die „Our Father“ interviewt. „Wenn sich die amerikanische Animationskünstlerin Nina Paley mit ihrer sehr speziellen Bibel-Musical-Adaption SEDER-MASOCHISM zurückmeldet, dann ist das ein Fest für die Sinne. Ein Fest, [...] das man nicht wieder vergisst, wenn ernste Szenen auf Disconummern stoßen, morbider Humor und Stilexperimente zu eins werden.“ (O. Armknecht in www.film-rezensionen.de)

USA 2018; Regie, Buch & Animation: Nina Paley; Sound Design: Greg Sextro; Musik: Pointer Sisters, Louis Armstrong, Gloria Gaynor, Dalida & Alain Delon, Bulgarische Frauenchöre, Breslau Synagogue Chorus, u.a.; Stimmen: Opferziege (Nina Paley), Our Father (Hiram Paley), Jesus (Barry Gray) u.a.; (DCP; Farbe; 78min; englische ORIGINALFASSUNG).


  
Filmplakat