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COSMONAUTA

DIE KOSMONAUTIN

R: Susanna Nicchiarelli

Italien, 1957: die neunjährige Luciana verweigert ihre Erstkommunion und erklärt der entgeisterten Familie: „Ich gehe da nicht mehr hin, ich bin Kommunistin!“. Das Interesse für Politik hat Luciana von ihrem älteren, eigenbrötlerischen Bruder Arturo. Fünf Jahre später tritt Luciana den Jungen Kommunisten Italiens bei, interessiert sich für das Wettrüsten im All und begeistert sich für die Raumfahrt der Sowjetunion. Allerdings kommen ihre Impulsivität und ihre Angriffslust nicht bei allen GenossInnen der örtlichen Gruppe gut an. Außerdem ist sie nicht die einzige junge Frau, die sich für den Gruppenleiter interessiert und bald muss Luciana feststellen, dass starke Frauen (auch) in der Kommunistischen Partei keinen leichten Stand haben. Letztendlich ist sie auf sich allein gestellt, genau so wie ihr großes Idol: die erste Kosmonautin Valentina Tereškova.
Inspiriert vom Besuch des Raumfahrtsmuseums in St. Petersburg, gedreht innerhalb von sieben Wochen in Rom, besticht Susanna Nicchiarellis Komödie nicht zuletzt durch ihren genauen Blick auf die Medien, Mode und Musik der damaligen Zeit. „Humorvoll, selbstironisch und zugleich präzise in den zeithistorischen Details erzählt Susanna Nicchiarelli vom Erwachsenwerden ihrer sympathisch-aufmüpfigen Heldin.“ (IFFF Dortmund/Köln 2010)
Miriana Raschillà als eigenwillige Luciana und Pietro Del Giudice als Arturo standen zum ersten Mal vor einer Kamera. Auch für Susanna Nicchiarelli ist COSMONAUTA nach mehreren ausgezeichneten Kurzfilmen und einem Animationsfilm das Langfilmdebüt, mit dem sie nicht nur die Jury des Frauenfilmfestivals Köln/Dortmund überzeugen konnte: „Der Hauptpreis geht an einen Film, der uns durch den liebevollen Blick auf seine Hauptfigur und die – auch heute noch – politische Relevanz des Themas überzeugt hat. In einer Zeit, in der starke weibliche Rollenvorbilder und die Frauenbewegung noch nicht vorhanden sind, schlägt sich die unbequeme Hauptfigur durch ihre männlich geprägte Welt. Mit tiefsinnigem Humor öffnet die Regisseurin in ihrem vielschichtigen Debüt Raum für eine widerspenstige Figur, ohne dabei moralische Hebel zu betätigen." (Jurybegründung)
Archivaufnahmen von Neil Armstrong, Jurij Gagarin, Valentina Tereškova, Nikita Chruščëv u. a. zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung und der Liebe zum Dokumentarischen. Zudem ist das Multitalent Susanna Nicchiarelli – sie arbeitet als Regisseurin, Produzentin, Drehbuchautorin und Schauspielerin – in einer Nebenrolle zu sehen.

Auszeichnungen: Bester Film – Frauenfilmfestival Köln/Dortmund 2010; Controcampo Italiano Prize und Laterna Magica Prize - Film Festival Venedig 2009; Mario Verdone Award - Lecce Festival of European Cinema 2010.

Italien 2009; Regie: Susanna Nicchiarelli; Drehbuch: Susanna Nicchiarelli, Teresa Ciabatti; Kamera: Gherardo Gossi; Schnitt: Stefano Cravero; Musik: Gatto Ciliegia contro il Grande Freddo, Max Casacci; DarstellerInnen: Miriana Raschillà (Luciana), Claudia Pandolfi (Rosalba), Sergio Rubini (Armando), Pietro Del Giudice (Arturo), Susanna Nicchiarelli (Marisa), Angelo Orlando (Leonardo), u.a.m. (35mm; 1:1,85; Farbe, S/W; Dolby Digital; 85 Minuten, italienische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN). Susanna Nicchiarelli studierte Philosophie in Rom und Pisa. Anschließend machte sie ein Diplom in Filmregie am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom und drehte einige kurze Spiel- und Dokumentarfilme sowie einen Animationsfilm. Mit Nanni Moretti arbeitete sie zusammen am Dokumentarfilm IL DIARIO DEL CAIMANO (2006) und führte Regie bei CA CRI DO BO - einer Folge der von Moretti und Angelo Barbagallo produzierten Serie von Dokumentarfilmen I DIARI DELLA SACHER (2001). Filmographie (Spielfilme): COSMONAUTA (2009), LA SCOPERTA DELL’ALBA (2012)