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SANS TOIT NI LOI

VOGELFREI

R: Agnès Varda

Der Originaltitel SANS TOIT NI LOI (übersetzt: Ohne Dach und ohne Gesetz) macht deutlich, was der deutsche Verleihtitel VOGELFREI vermeintlich verschleiert – nämlich Schutzlosigkeit als Preis der Freiheit – aber bei genauerer Betrachtung sehr wohl beinhaltet. Der Begriff „vogelfrei“ meinte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Personen, denen Rechte und Eigentum aberkannt wurden, die also von jedem anderen straffrei getötet, verletzt oder ausgeraubt werden konnten.
Ein Landarbeiter findet die Leiche einer jungen Frau. Sie hat keine Papiere bei sich und keinen Besitz. Vermutlich war sie Landstreicherin und ist erfroren. Ein gewaltsamer Tod wird von der Polizei ausgeschlossen. Hier beginnt Agnès Varda ihre Spurensuche: anhand von Gesprächen mit jenen, die der jungen Frau in den letzten Tagen und Wochen begegnet sind, werden die einzelnen Stationen der Herumziehenden rekonstruiert.
Die junge Tramperin zieht mit Zelt, Rucksack und wenigen Habseligkeiten irgendwo durch Südfrankreich. Die wechselnden Orte (ein Strand am Meer, ein verlassenes Schloss, ein Bauernhof) leuchten in winterlich klarem Schein. Die Tramperin Mona scheint Herrin der Lage zu sein, denn sie findet, was sie braucht: Nahrung, ein wenig Geld, Liebhaber, Unterschlupf für einige Nächte, sogar ein Stück Ackerland wird ihr von einem Aussteiger-Pärchen angeboten. Mit ihrem Verständnis von Freiheit, erklärt der ehemalige Philologe, der seine eigene Freiheit in Ackerbau und Viehzucht gefunden hat, würde Mona in Einsamkeit und letztlich im Tod enden. Spätestens hier wird klar, dass SANS TOIT NI LOI die Grenzen des Road Movies überschreitet und sich einem Filmessay annähert, der um das zentrale Thema Freiheit kreist. Agnes Varda führt dem Publikum viele Freiheitssuchende vor Augen – den Aussteiger, den Kleinkriminellen, die Einwanderer aus Nordafrika, die Akademikerin, die Bürgerliche, Hausbesetzer usw. – mit ihren Sehnsüchten und ihren Vorstellungen von Freiheit.
Das Leben auf der Straße, das Unterwegs-Sein sowie Sex, Drogen und Musik – Begriffe, die Entgrenzung evozieren und eng mit dem Genre Road Movie verbunden sind – ziehen sich zwar durch den ganzen Film, doch bleiben sie im Hintergrund, um gesellschaftspolitische Fragen zu stellen: Wie viel individuelle Freiheit ist der Gesellschaft zumutbar? Wem billigt sie welche Freiheit zu? Wer sind die „Vogelfreien“ unserer Gesellschaft? Und nicht zuletzt: was ist Freiheit?
FIPRESCI Preis und Goldener Löwe – Bester Spielfilm (1985), Los Angeles Film Critics Association Award (1986) und César-Beste Schauspielerin (1986).

Frankreich 1985; Regie und Buch: Agnès Varda; Kamera: Patrick Blossier; Musik: Joanna Bruzdowicz; DarstellerInnen: Sandrine Bonnaire, Yolande Moreau, Martha Jarnias, Macha Méril, Stéphane Freiss, Yahiaoui Assouna u.a.; (35mm; Farbe; 100min; französische ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN).