kinovi[sie]on goes Cinematogräphin STUMMFILME von
Germaine Dulac
kinovi[sie]on würdigt am 8. September Germaine Dulac (1882-1942) eine Künstlerin
an der Schnittstelle Theorie/Praxis, Bild/Sprache, Ästhetik/soziales Engagement. Dulac war eine der wenigen
Regisseurinnen der frühen Filmgeschichte. Sie arbeitete im Kontext des französischen Surrealismus und wird als
erste feministische Filmemacherin betrachtet. Dulacs Arbeiten stellen nicht nur Schlüsselwerke der französischen
Avantgarde dar wie etwa der erste surrealistische Film: LA COQUILLE ET LE CLERGYMAN (siehe kinovi[sie]on September
´05), sondern berühren auch sozialpolitische Themen der Zeit.
kinovi[sie]on zeigt einen Querschnitt ihres Schaffens und präsentiert einen ihrer bekanntesten
Spielfilme, sowie drei experimentelle Arbeiten.
Für eine
innovative musikalische Live-Vertonung (Elektronik Neue Musik) dieser
Hommage an Dulac sorgen
Cordula Bösze und
Günther Gessert.
Cordula Bösze: Studium Querflöte/Konzertfach an der Wiener Musikhochschule; 1995
Gründung des „böszen salonorchesters” zur Verursachung und Aufführung zeitgenössischer
Salonmusik; seit 1997 vor allem Projekte im Bereich der frei improvisierten Musik und der Elektronik;
Günther Gessert: Anfänge als Gitarrist und Bassist in diversen Jazz- und
Popmusikformationen; heutige Interessensschwerpunkte: elektronische Musik, Projekte in den Bereichen
Computer/Netzkunst/Musik; Beschäftigung mit Fragen der Klangerzeugung und wahrnehmung;
Germaine Dulac (1882-1942):
„Bewegung ist zentrales Element in Dulacs Filmtheorie, zur Avantgarde gehört sie gerade
deshalb, weil sie ihr Leben lang in Bewegung bleibt. Ihrer Filmtheorie, mit der sie das Kino vom ‚Ballast der
kulturellen Tradition' befreien will, entspricht ihr Lebensstil. Als Tochter aus großbürgerlichem Hause bricht sie
mit den Konventionen ihrer Herkunft. [...] Nach dem frühen Tod ihrer Eltern geht sie finanziell unabhängig nach
Paris, schließt sich der sozialistischen Bewegung an und arbeitet für die feministischen Zeitungen
La
Fronde und
La Française. Mit 23 heiratet sie einen radikalen Sozialisten. Siebzehn Jahre später
lässt sie sich scheiden um mit ihrer Freundin zusammenzuleben.
[...] 1910 entdeckt sie den Film als Medium und trägt in den kommenden Jahrzehnten sowohl praktisch als
auch theoretisch zur Entwicklung einer Filmsprache bei. Für Germaine Dulac, die die zunehmende Diskrepanz zwischen
technischem Fortschritt und sozialem Konservatismus sehr genau registrierte, war das filmpolitische und -ästhetische
Engagement stark mit aufklärerischen und emanzipatorischen Absichten und Hoffnungen verbunden: sie ist als erste
feministische Filmemacherin in die Geschichte eingegangen. [...] Ihre Karriere als Regisseurin war mit der Stummfilmzeit zu
Ende gegangen. Anfang der 30er Jahre wird sie künstlerische Leiterin der Filmproduktionsfirma Gaumont. Für die
Filmwochenschau dieser Firma realisiert sie noch einige Dokumentarfilme, bevor sie mit 59 Jahren im besetzten Paris
stirbt.” (Catherine Silberschmidt).