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8. September 2006
2006-09-08
20.00 Uhr
R: Germaine Dulac
kinovi[sie]on wird unterstützt von: TKI open 06 und Tirol Kulturabteilung (gefördert durch das Land Tirol im Rahmen von TKI open), Stadt Innsbruck (Referat, Frau, Familie, Senioren) und Wiener Städtische. In Kooperation mit Klangspuren Schwaz



kinovi[sie]on – Filme von Regisseurinnen

Frau und Film - zwei Wörter, die aus lautlichen Gründen eine Verbindung eingehen - eine Verbindung zwar, aber leider eine einseitige, eine von Anfang an verschobene: Frau und Film bilden ein ungleiches Paar: er (der Film) zeigt – sie (die Frau: von Garbo bis Kidman) wird gezeigt. Nach wie vor, so erweckt es den Anschein, hat sich an diesem Verhältnis (aktiv/passiv) und seinen Zuschreibungen (männlich/weiblich) kaum etwas verändert. Die Filmindustrie, vor allem die Bereiche Regie und Produktion, sind weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt.

kinovi[sie]onein Projekt des Otto Preminger-Instituts (Leokino/Cinematograph) – stellt seit dem Internationalen Frauentag 2005 einmal monatlich (jeweils am 8.) das Filmschaffen von Frauen in den Mittelpunkt. Der Filmzyklus kinovi[sie]on will nicht nur darauf aufmerksam machen, dass Frauen als Filmemacherinnen signifikant unterrepräsentiert sind, sondern vor allem dieser Tatsache entgegenwirken. Der so genannte „weibliche Blick“ wird nicht auf typische Themen fokussiert, sondern geweitet, gesplittert gesehen. kinovi[sie]on stellt ein Prisma dieses Blicks dar und bietet der oft kontroversiellen Vielfältigkeit des Filmschaffens von Frauen Raum. Einzelne Filmpräsentationen werden durch Impulsreferate und Publikumsdiskussionen in gesellschaftspolitische und filmtheoretische Zusammenhänge eingebettet und diskutiert.

Konzept, Umsetzung, Dokumentation: Gerlinde Schwarz und Gertraud Eiter
Kontakt: kinovisieon@leokino.at
 
kinovi[sie]on goes Cinematogräphin – STUMMFILME von Germaine Dulac

kinovi[sie]on würdigt am 8. September Germaine Dulac (1882-1942) – eine Künstlerin an der Schnittstelle Theorie/Praxis, Bild/Sprache, Ästhetik/soziales Engagement. Dulac war eine der wenigen Regisseurinnen der frühen Filmgeschichte. Sie arbeitete im Kontext des französischen Surrealismus und wird als erste feministische Filmemacherin betrachtet. Dulacs Arbeiten stellen nicht nur Schlüsselwerke der französischen Avantgarde dar – wie etwa der erste surrealistische Film: LA COQUILLE ET LE CLERGYMAN (siehe kinovi[sie]on September ´05), sondern berühren auch sozialpolitische Themen der Zeit.

kinovi[sie]on zeigt einen Querschnitt ihres Schaffens und präsentiert einen ihrer bekanntesten Spielfilme, sowie drei experimentelle Arbeiten.

Für eine innovative musikalische Live-Vertonung (Elektronik – Neue Musik) dieser Hommage an Dulac sorgen Cordula Bösze und Günther Gessert.


Cordula Bösze: Studium Querflöte/Konzertfach an der Wiener Musikhochschule; 1995 Gründung des „böszen salonorchesters” zur Verursachung und Aufführung zeitgenössischer Salonmusik; seit 1997 vor allem Projekte im Bereich der frei improvisierten Musik und der Elektronik;

Günther Gessert: Anfänge als Gitarrist und Bassist in diversen Jazz- und Popmusikformationen; heutige Interessensschwerpunkte: elektronische Musik, Projekte in den Bereichen Computer/Netzkunst/Musik; Beschäftigung mit Fragen der Klangerzeugung und –wahrnehmung;


Germaine Dulac (1882-1942):
„Bewegung ist zentrales Element in Dulacs Filmtheorie, zur Avantgarde gehört sie gerade deshalb, weil sie ihr Leben lang in Bewegung bleibt. Ihrer Filmtheorie, mit der sie das Kino vom ‚Ballast der kulturellen Tradition' befreien will, entspricht ihr Lebensstil. Als Tochter aus großbürgerlichem Hause bricht sie mit den Konventionen ihrer Herkunft. [...] Nach dem frühen Tod ihrer Eltern geht sie finanziell unabhängig nach Paris, schließt sich der sozialistischen Bewegung an und arbeitet für die feministischen Zeitungen La Fronde und La Française. Mit 23 heiratet sie einen radikalen Sozialisten. Siebzehn Jahre später lässt sie sich scheiden um mit ihrer Freundin zusammenzuleben.
[...] 1910 entdeckt sie den Film als Medium und trägt in den kommenden Jahrzehnten sowohl praktisch als auch theoretisch zur Entwicklung einer Filmsprache bei. Für Germaine Dulac, die die zunehmende Diskrepanz zwischen technischem Fortschritt und sozialem Konservatismus sehr genau registrierte, war das filmpolitische und -ästhetische Engagement stark mit aufklärerischen und emanzipatorischen Absichten und Hoffnungen verbunden: sie ist als erste feministische Filmemacherin in die Geschichte eingegangen. [...] Ihre Karriere als Regisseurin war mit der Stummfilmzeit zu Ende gegangen. Anfang der 30er Jahre wird sie künstlerische Leiterin der Filmproduktionsfirma Gaumont. Für die Filmwochenschau dieser Firma realisiert sie noch einige Dokumentarfilme, bevor sie mit 59 Jahren im besetzten Paris stirbt.” (Catherine Silberschmidt).