
DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER
Regie: Helma Sanders-Brahms
Einführung: Andrea Sommerauer (Historikerin und Journalistin)
Der Muttertag (mothering sunday) wurde 1644 erstmals urkundlich in England erwähnt: als Dankestag an die
„Mutter Kirche“ und deren „Mutterschaft“. Die Wurzeln der Mutterverehrung liegen in
vorchristlicher Zeit und sind im Zusammenhang mit dem Matriarchat zu sehen. Anfang des 20. Jahrhunderts startete
die US-Amerikanerin Anna Jarvis eine Initiative für die Einführung eines offiziellen Feiertages zu Ehren
der Mütter. Die Bewegung wuchs rasch an, der Muttertag wurde bereits 1909 in 45 Staaten gefeiert. In
Deutschland wird der Muttertag seit 1922 gefeiert, in Österreich seit 1924. Ab 1933 wurde der Muttertag eng
mit der Idee der germanischen Herrenrasse verknüpft und auf den 2. Sonntag im Mai festgesetzt, ab 1938 war es
der 3. Sonntag im Mai. Sollten Frauen als Mütter im NS-Staat vorwiegend für die Expansion des deutschen
Volkes sorgen, so bestand ihre Funktion in der Nachkriegszeit in der Reproduktion der vom Krieg stark dezimierten
Bevölkerung. Ob im Dritten Reich oder in der BRD und in Österreich, scheint die Rolle der Frau
gleichgeblieben zu sein! Frau-Sein wird auch heute oft mit Mutter-Sein gleichgesetzt, deshalb nimmt es nicht
Wunder, dass der Muttertag in unseren Breiten wichtiger erscheint, als der Internationale Frauentag. Heuer
fällt der Muttertag auf den 8. Mai und wieder wird die historische Verkettung mit der NS-Zeit deutlich:
zwischen 7. und 9. Mai 1945 hat die Wehrmacht endgültig vor den Alliierten kapituliert. Dem Anlass
entsprechend präsentiert kinovi[sie]on DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER von Helma Sanders-Brahms.
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