filmstill
Fr
20
Sa
21
So
22
Mo
23
Di
24
Mi
25
Do
26

Keine Spielzeit in dieser Woche


DAS SYSTEM MILCH

R: Andreas Pichler

Der Bozner Filmemacher Andreas Pichler geht in seinem jüngsten Film DAS SYSTEM MILCH so brisanten Fragen nach wie etwa: „Warum brauchen Bauern heute einen Milchroboter?” Wenn eine deutsche Bäuerin am Ende des Films feststellt, dass mit der Gülle mehr Geld zu verdienen ist als mit der Milch, ist Pichler auf der Milchstraße mit uns schon in 90 Mi­nu­ten um die Welt gereist. Und wir wissen nun, dass im Kuhfladen auf der Seiser Alm Nitrate stecken, die nicht gut sind für unsere Ge­sundheit. Also durch die gesunde Milch wird die halbe Welt versaut, da die Menschheit immer mehr davon braucht, beziehungsweise es wird uns suggeriert, dass wir so viel brauchen. Der Macchiato ist nicht Schuld am hohen Verbrauch von Milch, es ist vielmehr die EU. Sie sub­­­­ventioniert Bauern, um einen Milchüberschuss zu produzie­ren, denn es könnte gar keine Milch ohne Zuschüsse produziert werden, da die Kosten pro Liter bei 40 Cent liegen, während die Ein­nah­men pro Liter nur 27 Cent bringen. Milch ist zum großen Ge­schäft ge­­worden in der größten aller Industrien der Nah­rungs­mit­tel­industrie und die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig, von Süßigkeiten bis zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Pichler zeigt wie die Überproduktion verwendet wird, nachdem sie zu Pulver gemacht wird. Kleine 15 Cent Rationen können in Afrika ge­kauft werden. Für afrikanische Kuhzüchter gibt es keine Subven­tio­nen, so kommt deren Milch nie in die Märkte, sie verarmen und ihre Kinder flüchten auf Booten nach Europa. Wir sehen den Kreislauf dieses wichtigen Lebensmittels. Den Landwirt in Mals interessiert dieser nicht. Er verkauft seine Milch nicht in Regionen, in denen man das Weidegebiet nicht kennt. Er hat umgestellt auf Niedrigproduktion, da er errechnet hat: weniger Milch macht weniger Kosten, aber bessere Qualität und so wird man dem Käse anmerken, woher er kommt und die Umwelt kommt so eben auch auf ihre Kosten.
Die Kuh spielt natürlich eine besondere Rolle im System Milch. Oh­ne Kuh keine Milch. Die Kuh trägt ein Kalb aus und braucht, um dieses aufzuziehen, Milch. Also nicht trächtige Kühe sind ungeeignet für eine Milchbatterie und verursachen nicht sinnvolle Kosten. Kühe bekommen im 3. Jahr Kälber also muss man sich gedulden oder man kauft am Markt schwangere Kühe oder auch Embryos. Der Profit treibt Absurditäten. So spricht einer der Manager über das Herstellen von Kühen. Früher konnten Kühe bis 20 Jahre alt werden, heute verenden sie nach fünf Jahren. Sie haben zu viel zu tun, denn durch das Soja gesättigte Futter geben sie öfter am Tag Milch, was Stress bedeutet. Und dieser Stress überträgt sich auf die Bauern, die oft im Burnout landen und selbstmordgefährdet leben.
Als Regisseur mit Hirtenerfahrung ruft Pichler von der Leinwand in die Welt: „Informieren Sie sich, achten Sie darauf, was und wie Sie einkaufen und fordern sie von der Politik, dass diese sich für eine nachhaltige und kleinstrukturierte Landwirtschaft einsetzt.“ Milch als ein Exempel für die Globalsierung der Nahrung. (aus einem Text von Helmut Gro­schup, Dolomiten-Tageszeitung in Bozen)
- Horizonte-Preis beim 5 Seen Filmfestival Starnberg

Italien/Deutschland 2017; Regie & Buch: Andreas Pichler; Kamera: Martin Rat­tini & Jakob Stark; Schnitt: Florian Miosge, Kai Minerski; Ton Pascal Capitolin, Marc Parisotto; Musik: Gary Marlowe; (DCP; 1:1,85; Farbe; 90min).


  
Filmplakat